Veränderungen der Nervenleitgeschwindigkeit des Nervus medianus unter Kältetherapie

Seidel, E. J.; Schwerdtfeger, T, Günther, P.; Tentscher, J.: Wick, Ch.

Im Rahmen der Kältetherapie zur Analgesie spielt die Theorie der Absenkung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) mit membran-stabilisierenden Effekten, Stoffwechselverlangsamungen und Reaktivierung von Ionenträgern an Membranen des Nervens eine große Rolle. Zur Objektivierung der Veränderungen der NLG wurde in einer klinischen Studie die Temperatur des Nervus medianus mittels Einstichtemperaturfühler sowie die motorische NLG des N. medianus, die Potentialdauer und -amplitude sowie die Fläche unter der Kurve (AUC), die Gewebetemperatur und die Hauttemperatur bestimmt. Ergebnisse: Es besteht eine signifikante Korrelation der Temperatur des Nervus medianus zur NLG (WILCOXON-Test). Die Untersuchungen zur NLG ergeben gleiche Verhaltensmuster des Nervus medianus bei gesunden Probanden (n = 7) zu Patienten mit Polineuropathie (n = 9). Die Regressionsanalyse ergab lineare Verhal-tenswerte der NLG für beide Gruppen. Die Anstiegsmittelwerte lagen bei 2,23 und bei der Patientengruppe 1,76 m/sec/°C. Der Unterschied ist statistisch nicht bedeutsam. Schlußfolgerung: Aufgrund der ermittelten Dosis-Zeit-Beziehung ist eine wirkphysiologische Steuerung der Kältetherapie beschreibbar. Eine entsprechend dosierte Kältetherapie ermöglicht die standardisierte Absenkung der Temperatur des Nervus medianus mit differentialdiag-nostischen und -therapeutischen Möglichkeiten der NLG-Absenkung.

Prof. Dr. med. E. J. Seidel
Chefarzt Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar, Zentrum für Physikalische u. Rehabilitative Medizin, Henry-van-de-Velde-Straße 2, 99425 Weimar